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Blutentnahme

 

Empfehlungen zur venösen Blutentnahme

1. Vorbereitung der Patient*in

  • Elektive Blutentnahmen sollten in der Regel morgens zwischen 7:00 und 9:00 Uhr stattfinden.
  • Beachten Sie abweichende Entnahmezeiten bei besonderen Anforderungen wie z.B. dem therapeutischen Drug Monitoring (TDM), Funktionstests oder Tagesprofilen (circadiane Rhythmik).
  • Für bestimmte Analysen (z.B. Nüchternglukose oder Lipidprofil) sollten Patient*innen eine 12-stündige Nahrungskarenz einhalten.

Anmerkung: Haben Patient*innen eine Mahlzeit eingenommen, kann die Probe z.B. lipämisch sein und ist dann nicht mehr für alle Analysen geeignet (hohe Eigentrübung). Zusätzlich werden Konzentration bzw. Aktivität vieler Analyte durch eine Mahlzeit verändert, abhängig von der Zusammensetzung und dem Zeitpunkt vor der Blutentnahme.

  • Körperliche Belastung direkt vor der Blutentnahme sollten vermieden werden.

Anmerkung: Eine Anzahl von Messgrößen wird durch körperliche Belastung verändert (z.B. CK, Glukose, Adrenalin, Cortisol).

  • Stationäre Patient*innen sollten bei der Blutentnahme liegen, ambulante Patient*innen sitzen und diese Position mindestens 10 min vor der Blutentnahme eingenommen haben.

Anmerkung: Beim Übergang von stehender in die liegende Position und umgekehrt verändert sich die Zusammensetzung des Blutes in der Armvene. Dies ist bedingt durch eine Verlagerung des Wassers vom intravasalen in den extravasalen Raum in den jeweiligen Körperabschnitten. Damit wird ein Anstieg der Konzentration aller makromolekularen, also auch zellulären Komponenten des Blutes durch Erhöhung des effektiven Filtrationsdrucks im stehenden und sitzenden gegenüber dem liegenden Zustand bewirkt.

2. Vorbereitung der Materialien

  • Bereiten Sie die für die Blutentnahme benötigten Materialien vor: Kanüle oder Flügelkanüle (Butterfly), Röhrchen, Stauschlauch, Desinfektionsmittel, Pflaster, Handschuhe, Tupfer (grundsätzlich auf Haltbarkeit der Materialien achten). Um Verwechslungen am Patientenbett zu vermeiden, sollten die Materialien für jeden Patienten separat gehalten werden.

Anmerkung: Kennzeichnen Sie die Blutentnahmeröhrchen mit dem Namen der Patient*in bzw. mit dem Barcode-Etikett. Kleben Sie das Etikett gerade und in Längsrichtung auf und positionieren Sie es so, dass das Röhrchen nicht rundum beklebt ist. Vergleichen Sie den Namen bzw. die Nr. auf dem Etikett mit dem Namen bzw. der Nr. auf dem Anforderungsformular.

  • Stellen Sie sicher, dass sich ein Abwurfbehälter für die gebrauchten Kanülen in Reichweite befindet.
  • Führen Sie eine Händedesinfektion durch, bevor Sie zu den Patient*innen gehen.
  • Überprüfen Sie, ob für das Anforderungsprofil besondere Erfordernisse an Transportzeit und –Temperatur bestehen.

3. Identifikation der Patient*innen

Stellen Sie sich der Patient*in vor. Überprüfen Sie die Identität der Patient*in, indem Sie

  • eine offene Frage nach dem Namen stellen,
  • nach der Schreibweise des Nachnamens fragen,
  • sich von der Patient*in das Geburtsdatum nennen lassen und
  • den Namen der Patient*in mit dem Namen auf dem Anforderungsformular und ggfs. auf dem Identifikationsarmband und auf dem Röhrchenetikett vergleichen. Verlassen Sie sich nicht auf Beschriftungen am Patient*innen-Bett.

Anmerkung: Die Verwechslung von Patient*innen kann schwerwiegende Folgen haben. Möglicherweise ist es Patient*innen unangenehm, nein zu sagen oder nachzufragen, und daher antworten sie möglicherweise auf „Sind Sie Herr / Frau X?“ grundsätzlich bejahend.

Bei bewusstlosen Patient*innen oder Kleinkindern, die nicht selbst über ihren Namen Auskunft geben können, ist besondere Sorgfalt erforderlich. Auch bei Patient*innen mit Migrationshintergrund kann gegebenenfalls eine sprachliche Barriere für eine erschwerte Identifikation sorgen.

  • Fragen Sie Angehörige, befreundete Personen oder eine Pflegekraft nach dem vollen Namen der Patient*in, der korrekten Schreibweise und dem Geburtsdatum.
  • Bei Notfall- oder anderen Patient*innen, bei denen eine eindeutige Identifikation so nicht möglich ist, wird eine vorläufige, klare Identifikation z.B. über eine Identifikationsnummer gewählt. Diese Identifikationsnummer sollte am Körper der Patient*innen angebracht werden, z.B. über ein Armband. (oder bei Neugeborenen 2 Identifikationsbänder an Handgelenk und Fuß).[WJ1] [JR2] 

4. Position der Patient*innen, Wahl der Punktionsstelle, Desinfektion und Hygiene

Positionieren Sie die Patient*in so, dass der für die Blutentnahme gewählte Arm ausgestreckt werden kann und leicht nach unten weist.

  • Wählen Sie die Punktionsstelle (bevorzugt sind die Vena cephalica, V. basilica und V. mediana cubiti).

Nicht punktiert werden sollte:

• auf der Seite, an der eine Brustamputation vorgenommen wurde,

• an Körperstellen, an denen sich ein Ödem befindet,

• an vernarbten, geprellten, geröteten, geschwollenen oder infizierten Hautstellen,

• oberhalb eines Katheters,

• an Extremitäten mit Dialyse-Shunt oder einer Fistel.

Anmerkung: Eine Blutentnahme an diesen Stellen ist wahrscheinlich unangenehm für die Patient*in oder birgt erhöhte Gefahr einer Infektion und es besteht die Gefahr der Verunreinigung der Blutprobe mit Lymphflüssigkeit, Infusionsflüssigkeit oder Dialysat.

  • Desinfizieren Sie die Punktionsstelle mit Antiseptikum und beachten Sie die Einwirkzeit von mindestens 15 s bei verunreinigter Haut. Reinigungsschritt mit einem mit Antiseptikum getränkten Tupfer voranstellen und mit einem zweiten Tupfer Punktionsstelle desinfizieren. Lassen Sie die Punktionsstelle trocknen. Berühren Sie die Punktionsstelle nach der Desinfektion nicht mehr.
  • Bei Blutentnahmen für Alkoholbestimmung unbedingt alkoholfreies Antiseptikum verwenden.
  • Bei Blutentnahmen für Blutkulturen mit dafür vorgesehenem Antiseptikum desinfizieren und Einwirkzeit von mindestens 30 s beachten.

Anmerkung: Ist das Desinfektionsmittel bei Punktion noch nicht getrocknet, kann dies Schmerzen für den Patienten verursachen. Außerdem kann die Probe hämolytisch werden.

  • Ziehen Sie spätestens jetzt Handschuhe an.

5. Stauung

Legen Sie den Stauschlauch etwa 10 cm oberhalb der Punktionsstelle an.

  • Der Puls sollte weiter fühlbar sein.
  • Lassen Sie die Patient*in nicht mit der Faust pumpen.

Anmerkung: Durch Pumpen mit der Faust kann es zu falsch erhöhten Kaliumwerten kommen.

6. Punktion

  • Drehen Sie die erste Monovette auf die Kanüle.
  • Punktieren Sie nun die Vene mit der Kanülenöffnung nach oben weisend. Optimal ist ein Einstichwinkel von 15°.
  • Aspirieren Sie das Blut durch langsamen, gleichmäßigen Zug an dem Stempel der Monovette.
  • Lösen Sie den Stauschlauch, sobald Blut in das erste Röhrchen fließt. Er sollte nicht länger als 1 min angelegt bleiben.

7. Blutentnahme

Anmerkung: Eine zu lange Stauung kann zu falsch hohen Werten von Proteinen, Zellen, Lipiden und weiteren Analyten wie Bilirubin und Kalzium führen. Auch die Gerinnungsdiagnostik wird durch eine langandauernde Stauung beeinflusst. Außerdem kann es zu einer Hämolyse kommen.

  • Röhrchen vollständig füllen (Markierungsstrich an der Monovette), auch wenn das Blut kurz vor Erreichen des Füllvolumens nur noch langsam fließt. Dies ist v.a. bei Gerinnungsmonovetten entscheidend.

Schon eine Unterfüllung der Gerinnungsröhrchen von mehr als 10% führt zu falsch verlängerten Gerinnungszeiten.

Anmerkung: Wenn sich ein Blutentnahmeröhrchen nicht füllt, kann die Kanülenöffnung an der Venenwand anliegen – leichte Lageveränderung der Kanüle, ohne sie aus der Vene zu ziehen, hilft. Ein anderer möglicher Grund ist, dass die Vene kollabiert ist. In diesem Fall entfernen Sie das Röhrchen von dem Adapter an der Kanüle, ohne die Kanüle aus der Vene zu ziehen, und warten, bis sich die Vene erholt hat. Dasselbe Röhrchen kann nun wieder in den Adapter eingeführt werden. Dieser Vorgang kann mehrfach wiederholt werden, solange die Kanüle in der Vene verbleibt.

  • Bei sehr schlechten Venenverhältnissen kann es notwendig sein, den Stauschlauch während der Blutentnahme erneut anzulegen.

8. Mischen

Wenn das Röhrchen gefüllt ist, drehen Sie es aus dem Adapter. Alle Röhrchen sollten mindestens 4-mal um 180° geschwenkt werden (langsames, mehrfaches Schwenken über Kopf, nicht schütteln, die Luftblase muss aufsteigen können), um das Blut mit den Zusätzen in den Röhrchen zu mischen.

Anmerkung: Serumröhrchen enthalten einen Gerinnungsaktivator, der für die optimale Wirkung in die Blutprobe suspendiert werden muss. Ungenügendes Mischen von Plasmaproben und Proben für die Hämatologie führt zur Bildung von Mikrogerinnseln, die die Laborwerte verfälschen und die Analyseninstrumente verstopfen können.

9. Reihenfolge bei der Blutentnahme

Bei Bedarf ein weiteres Röhrchen in den Adapter einführen.

Empfohlene Reihenfolge der Röhrchen bei der Blutentnahme:

  1. Blutkultur
  2. Gerinnung (Natriumcitrat 1:10)
  3. Blutsenkung (Natriumcitrat 1:5)
  4. Serum
  5. Plasma (Li-Heparin)
  6. Hämatologie (EDTA)
  7. Glukose (Fluorid)
  8. Ggfs. weitere Röhrchen.

Anmerkungen:

Serumröhrchen aus Kunststoff enthalten Gerinnungsaktivator und sollten nicht vor dem Gerinnungsröhrchen abgenommen werden. Auf eine korrekte Füllung des Gerinnungsröhrchens ist unbedingt zu achten. Die Abnahme des Gerinnungsröhrchens als erstes hat keinen Einfluss auf PT und INR bei normalen Patient*innen und Patient*innen unter Warfarin-Therapie, auch nicht auf aPTT bei normalen Patient*innen. Bei anderen Gerinnungsanalysen stehen keine Studien zur Verfügung.

Röhrchen für die Hämatologie enthalten sehr viel Kalium und sollten nicht vor Proben für die Klinische Chemie abgenommen werden.

10. Beenden der Blutentnahme

Nach dem letzten Röhrchen Tupfer locker auf die Punktionsstelle legen und Kanüle aus der Vene ziehen.

  • Drücken Sie den Tupfer sofort fest auf die Punktionsstelle, nachdem die Kanüle aus der Vene entfernt wurde.
  • Aktivieren Sie den Sicherheitsmechanismus an der Kanüle.
  • Entsorgen Sie alle kontaminierten Materialien in dafür vorgesehene Behälter.
  • Bringen Sie ein Heftpflaster auf. Achten Sie gegebenenfalls auf Allergien der Patient*in.

11. Etikettieren

Überprüfen Sie, dass die Blutentnahmeröhrchen korrekt mit einem Etikett versehen sind. Achten Sie auch darauf, dass das Etikett so geklebt ist, dass die Probe sichtbar ist. Notieren Sie den Zeitpunkt der Blutentnahme.

12. Transport

Die Proben sollten bei längeren Transportzeiten kühl (18-22°C), aber nicht kalt (<8°C) gehalten oder eingefroren werden.

Achten Sie darauf, dass die Röhrchen keinen extremen Temperaturen ausgesetzt sind (sonnige Fensterbank, Heizung, ungeheiztes Auto bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt).

Beachten Sie besondere Vorschriften für spezielle Analyte (siehe Diagnostik, Analysenverzeichnis), für deren Bestimmung die Proben gekühlt, bei 37°C, lichtgeschützt oder besonders schnell transportiert werden müssen.

Die Rohrpost kann für alle Proben außer Liquorproben und Proben für die NSE-Bestimmung verwendet werden.

Arbeitsgruppenbericht zur venösen Blutentnahme für die labormedizinische Diagnostik.

Quelle:

Der Text beruht weitestgehend auf dem „Vorschlag für eine S.O.P. der Initiative DIAPRO“ unter der Leitung von Prof. Walter Guder (Blutbild, Ausgabe 24, April 2013).